
=> Karte mit Standorten für CO₂-Speicher / CCS-Projekte
CCS steht für »Carbon dioxide Capture and Storage« und meint Technologien, die das bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe (Kohle, Gas, Öl) entstehende Treibhausgas CO₂ abscheiden, um es später langfristig in tiefen geologischen Schichten zu lagern. Die CCS-Technologie wird im Moment vor allem im Zusammenhang mit Kohlekraft diskutiert, da Kohlekraftwerke als klimaschädlichste und CO₂-intensivste Form der Stromerzeugung zunehmend in die Kritik geraten.
Dabei ist festzuhalten, dass es sich bei CCS um eine Technologie im Planungsstadium handelt - ob ein großtechnischer Einsatz je möglich und wirtschaftlich sein wird ist offen, ebenso welche Risiken damit verbunden sind. Selbst die Energiekonzerne gehen davon aus, dass die Technologie frühestens in 10 bis 20 Jahren kommerziell einsetzbar sein wird.
Weltweit gibt es im Moment kein Kraftwerk in kommerzieller Größe mit CCS-Technologie. Es existieren lediglich einige Versuchsanlagen. In Deutschland gibt es ein von Vattenfall betriebenes Versuchskraftwerk in Spremberg (Brandenburg) im Ortsteil »Schwarze Pumpe« (siehe Wikipedia). Dort wird allerdings kein Strom erzeugt, lediglich Nahwärme für den nahegelegenen Industriepark.
Keines der momentan in Bau befindlichen Kohlekraftwerke wird mit CCS-Technologie ausgestattet sein. Ob eine spätere Nachrüstung möglich ist, ist unklar.
Wie oben bereits angedeutet, handelt es sich bei CCS um eine Technologie im Planungsstadium. Insofern sind alle Aussagen hierzu lediglich spekulativ.
Ein mögliches Problem betrifft Lecks zukünftiger CO₂-Speicher - soll CCS seinen Zweck erfüllen, muss gewährleistet sein, dass über tausende von Jahren kein CO₂ austritt. Wäre dies der Fall, würde man das Problem des Klimawandels lediglich verzögern.
Ein plötzliches Austreten von CO₂ - etwa bei Erdbeben - könnte dazu führen, dass Menschen in der betroffenen Region daran ersticken (siehe Nyos-Katastrophe) - ein derartiger Unfall muss also unter allen Umständen ausgeschlossen werden.
Vermutlich nein - selbst im Idealfall wird man davon ausgehen müssen, dass lediglich 80 - 90 % der Treibhausgasemissionen eingefangen werden können. Da für die Abscheidung und Lagerung zusätzlich Energie aufgewendet werden muss, würde sich der bei Kohlekraftwerken sowieso schon schlechte Wirkungsgrad weiter reduzieren. Insofern würden auch mit CCS ausgestattete Kohlekraftwerke nicht unerhebliche Mengen CO₂ emmitieren.
Vattenfall hat sein Kraftwerk in »Schwarze Pumpe« ursprünglich als CO₂-frei beworben. Durch eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin ist es Vattenfall inzwischen untersagt, diese falsche Bezeichnung weiterhin zu verwenden.
Das CO₂ aus dem Kraftwerk Schwarze Pumpe soll in ein ehemaliges Gasfeld in der Altmark / Sachsen-Anhalt verbracht werden. Das Erdgasfeld befindet sich nahe der Orte Mahlsdorf und Maxdorf (Artikel MDR).
Im brandenburgischen Ketzin wird seit Anfang 2008 in ein ehemaliges Gasfeld CO2 zu Forschungszwecke eingelagert (Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam).
Für zukünftige CCS-Projekte sind verschiedene Standorte im Gespräch, darunter Wilhelmshaven in Niedersachsen, Jänschwalde in Brandenburg und Hürth in Nordrhein-Westfahlen (Artikel Weser-Kurier). An allen drei Standorten sollen ebenfalls neue Kohlekraftwerke gebaut werden.
Weitere Informationen:
Wikipedia zu CO₂-Sequestrierung
BI Wilhelmshaven gegen Kohlekraftwerke und für Klimaschutz